Ein Kunstprojekt zum IBA-FinaleParadies 2Menschen und Landschaften im FokusDer Wandel der Region wurde im IBA-Abschlussjahr künstlerisch inszeniert. Der Schweizer Künstler Jürg Montalta ließ die Menschen der Lausitz zu Künstlern und Landschaften zu Bühnenbildern werden.
Die Idee, eine Internationale Bauausstellung in der Lausitz zu initiieren, ist seinerzeit in der Region selbst entstanden. Auch ihre insgesamt 30 Projekte sind in enger Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort entwickelt worden. So lag es nahe, dass zum IBA-Finale 2010 ein Kunstprojekt in Auftrag gegeben wurde, das die Menschen der Lausitz „in Szene setzen“ sollte. Entstanden ist „Paradies 2“ mit sieben Inszenierungen des Schweizer Künstlers Jürg Montalta. Mehr als 9.000 Lausitzer wirkten an der außergewöhnlichen Veranstaltungsreihe mit und präsentierten ihre Heimat.
Unter Montaltas Regie wartete die IBA u. a. mit einer „See-Symphonie“, einer „Skulptur aus tausend Begegnungen“ sowie „szenischen Reisen“ rund um den aktiven Tagebau auf. Ein 800 Jahre altes Lausitzer Dorf kam musikalisch seinem Geheimnis auf die Spur und im Herzen von Guben und Gubin widmete sich ein 24-stündiges Orgelkonzert dem Verstehen und Heilen verwundeter „innerer Landschaften“. Zum Abschluss machten 7.000 Menschen Licht im entstehenden Lausitzer Seenland. Alle sieben Veranstaltungen wurden MIT den Menschen der Lausitz vorbereitet.
HintergrundJürg Montalta, Jahrgang 1955, ist ausgebildeter Schauspieler und Theaterregisseur mit umfassender pädagogischer Erfahrung auf den Gebieten experimentelles Lernen, Bewegungstherapie und Konfliktlösung. Über die sinnlichen Tagebauerkundungen bei der IBA kam er in die Lausitz. Fasziniert von den bizarren Landschaften der Kohlegruben, aber auch von den Menschen und ihren oft komplizierten Lebensgeschichten, blieb es nicht bei dem flüchtigen Besuch. Gemeinsam mit ehemaligen Bewohnern des Dorfes Bückgen, die ihre Heimat durch den Tagebau Meuro verloren hatten, entwickelte er 2003-2006 das Theaterprojekt „Alles verloren - alles gewonnen“. Das Stück führte auf den Grund des entstehenden Ilse-Sees bei Großräschen, wo sich einst das Dorf befunden hatte, in Erzählungen der ehemaligen Bewohner ließ er es wieder auferstehen.
Die Erfahrung und das positive Echo auf dieses außergewöhnliche Projekt bewog die IBA, Montalta für das Abschlussjahr zu engagieren. Zwei Jahre lang hat er gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Kerstin Gogolek Lausitzern geholfen, Herzenswünsche auszugraben, Lebensträume wieder zu erwecken und sich zu trauen, Zukunftsvisionen zu formulieren. Die sieben Inszenierungen, die mit Unterstützung einer Reihe von nationalen und internationalen Künstlern und den Lausitzern entstanden, waren wie sieben Versuche, neue Vorstellungen vom Leben zu realisieren - Wege in neue Paradiese zu finden.
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